Inhaltsverzeichnis
- Was ist Gin eigentlich?
- Herstellung: vom Wacholder zum Gin
- Botanicals: die Aromen hinter dem Gin
- Die wichtigsten Ginsorten im Überblick
- Alkoholgehalt: was die Prozentangabe bedeutet
- Das Ginetikett richtig lesen
- Das passende Glas
- Gin & Tonic: die richtige Kombination
- Gin richtig lagern und öffnen
- Häufige Fragen (FAQ)
- Fazit
Gin Guide: Der große Überblick für Einsteiger und Genießer
London Dry, Sloe Gin oder Pink Gin – unser Gin-Guide erklärt dir die wichtigsten Sorten, Botanicals und die passende Tonic-Kombination.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Gin eigentlich?
- Herstellung: vom Wacholder zum Gin
- Botanicals: die Aromen hinter dem Gin
- Die wichtigsten Ginsorten im Überblick
- Alkoholgehalt: was die Prozentangabe bedeutet
- Das Ginetikett richtig lesen
- Das passende Glas
- Gin & Tonic: die richtige Kombination
- Gin richtig lagern und öffnen
- Häufige Fragen (FAQ)
- Fazit
Kaum eine Spirituose hat in den letzten Jahren einen solchen Aufschwung erlebt wie Gin. Zwischen London Dry, Sloe Gin und modernen New-Western-Sorten verliert man als Einsteiger schnell den Überblick – dabei steckt hinter jeder Gin-Kategorie ein eigenes Herstellungsverfahren und ein eigener Charakter. In diesem Gin-Guide erfährst du, wie Gin entsteht, welche Botanicals seinen Geschmack prägen, welche Ginsorten es gibt und wie du Gin – ob im Tonic oder pur – richtig servierst.
Was ist Gin eigentlich?
Gin ist eine Spirituose, deren Geschmack maßgeblich vom Wacholder (englisch: Juniper) geprägt wird – laut EU-Verordnung muss dieser sogar als vorherrschendes Aroma erkennbar sein. Basis ist ein hochprozentiger, meist geschmacksneutraler Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, der mit Wacholder und weiteren Kräutern, Gewürzen oder Früchten – den sogenannten Botanicals – aromatisiert wird. Der Mindestalkoholgehalt liegt EU-weit bei 37,5 % vol. Seinen Ursprung hat Gin im niederländischen Genever, aus dem sich der heute bekannte trockene Gin-Stil vor allem in England entwickelt hat.
Herstellung: vom Wacholder zum Gin
Am Anfang steht ein neutraler Basisalkohol, meist aus Getreide gewonnen. Dieser wird zusammen mit Wacholderbeeren und weiteren Botanicals erneut destilliert – dabei nehmen die ätherischen Öle der Pflanzen ihren Weg in den Alkohol und prägen so das spätere Aroma. Je nach Herstellungsverfahren werden die Botanicals direkt mit eingemascht, in einem separaten Korb im Dampfstrom platziert ("Vapour Infusion") oder nachträglich als Essenz zugesetzt, wie es bei einfacheren Compound-Gins der Fall ist. Hochwertiger, destillierter Gin gilt gegenüber Compound-Gin als deutlich aromatischer und komplexer.
Botanicals: die Aromen hinter dem Gin
Neben Wacholder greifen Brennereien auf eine ganze Palette an Botanicals zurück, um ihren Gin unverwechselbar zu machen. Klassisch sind Koriandersamen (zitrusartig-würzig), Angelikawurzel (erdig, bindet die Aromen), Zitrusschalen von Orange oder Zitrone (frisch, fruchtig) sowie Iriswurzel (blumig). Moderne New-Western-Gins ergänzen dies häufig um regionale oder ungewöhnliche Zutaten wie Gurke, Holunderblüte, Rosmarin oder sogar Chili. Die Auswahl und Kombination der Botanicals entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Gin eher klassisch-herb, floral, fruchtig oder würzig schmeckt.
Die wichtigsten Ginsorten im Überblick
Gin ist nicht gleich Gin – je nach Herstellungsverfahren und Rezeptur unterscheidet man mehrere Kategorien mit eigenem Charakter.
London Dry Gin
Der Klassiker und Maßstab unter den Gins – trotz des Namens keine Herkunftsbezeichnung, sondern eine geschützte Herstellungsmethode.
Ein Paradebeispiel ist der Bulldog London Dry Gin (1 Liter, 40 % vol) aus England, destilliert in Kupferbrennblasen aus britischem Weizen und Wasser.
Geschmack: Klar, trocken, wacholderbetont mit spritziger Zitrusnote und einer weltoffenen Würze durch exotische Botanicals.
Besonderheit: Alle Aromen entstehen bei London Dry Gin während der Destillation, ganz ohne nachträgliche Zusatzstoffe. Der Bulldog nutzt dazu zwölf Botanicals aus acht Ländern, darunter drei exklusive Zutaten wie chinesische Lotusblätter.
Serviervorschlag: Klassisch als Gin Tonic mit Zitrone, gut gekühlt bei 4 bis 8 °C.
Plymouth Gin
Eine traditionsreiche Kategorie aus der englischen Stadt Plymouth – historisch geografisch geschützt, auch wenn dieser Schutz 2015 aufgehoben wurde.
Ein Paradebeispiel ist der Plymouth Gin Navy Strength (0,7 Liter, 57 % vol) aus England, hergestellt in der Black Friars Distillery, seit 1793 die älteste noch betriebene Destillerie der Welt.
Geschmack: Kraftvoll und komplex, mit dominanten Wacholderbeeren, feinen Zitrus- und Kräuternoten sowie erdigen Untertönen vom Dartmoor-Quellwasser.
Besonderheit: Weiterhin ausschließlich in Plymouth dreifach in Kupferbrennblasen destilliert. Mit 57 % vol gehört er zu den Navy Strength Gins – benannt nach der britischen Marine, wo diese Stärke selbst bei Kontakt mit feuchtem Schießpulver dessen Zündfähigkeit erhalten sollte.
Serviervorschlag: Pur bei Zimmertemperatur genießen oder als kräftige Basis für Pink Gin oder Martini.
Durchschnittliche Bewertung von 4.7 von 5 Sternen
Inhalt: 0.7 l (63,99 €* / 1 l)
Old Tom Gin
Der historische Vorläufer des London Dry Gin – süßer und rustikaler, wie er im 18. Jahrhundert beliebt war.
Ein Paradebeispiel ist der Citadelle Old Tom Gin No Mistake (0,5 Liter, 46 % vol) aus Frankreich, eine exklusive Kreation von Alexandre Gabriel und der Destillerie Maison Ferrand.
Geschmack: Würzig, floral und mild in der Nase, am Gaumen vielschichtig aus Wacholder, Kardamom, Orange, Jasmin und Fenchel, mit langem, würzig-floralem Abgang.
Besonderheit: Destilliert aus 22 Pflanzen und Früchten. Die typische Süße entsteht durch karamellisierten karibischen Zucker, der nach einer Reifedauer zugegeben wird – ein traditionelles Verfahren, das Old Tom deutlich süßer macht als Dry Gin.
Serviervorschlag: Dank seiner Süße am besten pur oder auf Eis genießen.
Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen
Inhalt: 0.5 l (50,98 €* / 1 l)
New Western
Die moderne, kreative Kategorie – Wacholder bleibt erkennbar, tritt aber häufig zugunsten regionaler Botanicals in den Hintergrund.
Ein Paradebeispiel ist der Gin Mare Mediterranean Gin (1 Liter, 42,7 % vol) aus Spanien, destilliert in einer ehemaligen Kapelle in Vilanova i la Geltrú.
Geschmack: Kräuterig mit subtiler Salzigkeit durch Arbequina-Oliven, im Abgang komplexe, ausgleichende Zitrusnoten – ein mediterranes Aromenbild.
Besonderheit: Jede Botanical wird unabhängig mazeriert und destilliert, um Reinheit und Intensität einzeln zu bewahren – typisch für regional geprägte New-Western-Gins.
Serviervorschlag: Als Gin Tonic mit 1724 Tonic Water, garniert mit Rosmarin und Orangenzeste.
Durchschnittliche Bewertung von 4.8 von 5 Sternen
Sloe Gin
Streng genommen kein klassischer Gin, sondern ein Gin-basierter Likör – gesüßt und mit Schlehen aromatisiert.
Ein Paradebeispiel ist der Monkey 47 Sloe Gin (0,5 Liter, 29 % vol) aus Deutschland, ein Ginlikör der Black Forest Distillery auf Basis des Monkey 47 Dry Gin.
Geschmack: Fruchtig-herb aus Schlehen, Lavendel und Zitrus, am Gaumen bittersüß und würzig mit langem, klarem Abgang.
Besonderheit: Die Schwarzwälder Schlehen werden erst nach dem ersten Frost geerntet und mazerieren mehrere Monate im Dry Gin, bevor der Likör in Steingutgefäßen nachreift.
Serviervorschlag: Pur auf Eis oder als Monkey Sloe Spritz mit Prosecco und Sodawasser.
Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen
Inhalt: 0.5 l (75,18 €* / 1 l)
Pink Gin
Gin mit zusätzlicher Aromatisierung, meist durch Früchte oder Beeren – besonders beliebt bei Einsteigern.
Ein Paradebeispiel ist der Mermaid Pink Gin (0,7 Liter, 38 % vol) aus Großbritannien, handgemacht in der Isle of Wight Distillery mit frischen Erdbeeren aus dem Arreton Valley.
Geschmack: Frische Erdbeeren mit einem Hauch Zitrus und Wacholder, am Gaumen weich und beerig mit subtiler Kräuternote und langem, trockenem Finish.
Besonderheit: Ohne Zuckerzusatz und in kleinen Chargen mittels Infusion und Redestillation hergestellt, mit regionalen Botanicals wie Rock Samphire und Holunderblüte.
Serviervorschlag: Als Gin Tonic mit Erdbeere und Minze oder als Sommerdrink mit Ginger Ale und Limette.
Durchschnittliche Bewertung von 4.8 von 5 Sternen
Inhalt: 0.7 l (47,13 €* / 1 l)
| Ginsorte | Typische Vol.-% | Geschmacksrichtung | Passendes Tonic |
|---|---|---|---|
| London Dry Gin (z. B. Bulldog) |
37,5–47 % | Trocken, wacholderbetont, zitrusfrisch | Klassisches Tonic Water |
| Plymouth Gin (z. B. Navy Strength) |
41,2–57 % | Kraftvoll, wacholderbetont, erdig | Klassisches oder kräftiges Tonic |
| Old Tom Gin (z. B. Citadelle No Mistake) |
40–47 % | Süßlich, würzig, floral | Eher pur oder auf Eis |
| New Western Gin (z. B. Gin Mare) |
40–47 % | Mediterran, kräuterig, leicht salzig | Neutrales, mildes Tonic |
| Sloe Gin (z. B. Monkey 47) |
25–30 % | Fruchtig-herb, Schlehen, Zitrus | Eher pur oder als Spritz |
| Pink Gin (z. B. Mermaid) |
30–40 % | Fruchtig, erdbeerig, weich | Fruchtiges oder mildes Tonic |
Alkoholgehalt: was die Prozentangabe bedeutet
Klassische Gins liegen meist zwischen 37,5 % vol (EU-Mindestwert) und 47 % vol. Sogenannte Navy Strength Gins gehen mit 57 % vol und mehr deutlich darüber hinaus – eine historische Überlieferung aus Zeiten, in denen Gin auf britischen Marineschiffen transportiert wurde und ein Mindestalkoholgehalt vor Qualitätsverlust durch verschüttetes Schiesspulver schützen sollte. Gin-basierte Liköre wie Sloe Gin oder viele Flavoured Gins liegen dagegen oft deutlich niedriger, meist zwischen 25 und 37,5 % vol.
Das Ginetikett richtig lesen
Auf dem Etikett findest du in der Regel die Ginsorte (London Dry, Old Tom usw.), die zentrale Orientierung für den Geschmack gibt. Die Angabe der Botanicals – oft direkt auf dem Etikett aufgelistet – verrät, welche Aromen dich erwarten. Der Alkoholgehalt in % vol zeigt die Stärke, und Begriffe wie "Distilled" oder "Dry" weisen auf ein hochwertiges Destillationsverfahren hin, ohne nachträglich zugesetzte Aromen. Bei kleineren Craft-Brennereien lohnt sich zudem oft ein Blick auf die Herkunftsregion, da diese häufig lokale Botanicals verwenden.
Das passende Glas
Für Gin Tonic hat sich das große, bauchige Copa-Glas (auch Ballonglas genannt) etabliert: Sein weites Volumen bietet viel Platz für Eis und Garnitur und leitet die Botanical-Aromen gut zur Nase. Für puren Gin oder klassische Cocktails wie den Martini eignet sich dagegen ein schlankeres Tumbler- oder Cocktailglas besser, da es weniger schnell erwärmt und die Aromen konzentrierter hält. Mehr Details zu unterschiedlichen Glasformen und ihrer Wirkung findest du in unserem ausführlichen Gläser-Guide.
Gin & Tonic: die richtige Kombination
Nicht jedes Tonic Water passt zu jedem Gin. Als Faustregel gilt: Klassische, wacholderbetonte Gins wie London Dry harmonieren am besten mit einem neutralen, klassischen Tonic, das die Botanicals nicht überdeckt. Floralere oder fruchtigere New-Western-Gins profitieren von einem milden, weniger bitteren Tonic, während kräftige Navy-Strength-Gins auch ein intensiveres, bittereres Tonic vertragen. Als Garnitur gilt: Zitrusgins passen zu Zitrone oder Grapefruit, kräuterbetonte Gins zu Rosmarin oder Gurke, und fruchtige Sorten zu frischen Beeren.
Gin richtig lagern und öffnen
Anders als Wein oder Bier ist Gin dank seines hohen Alkoholgehalts nahezu unbegrenzt haltbar und muss nicht gekühlt gelagert werden. Wichtig ist lediglich, die Flasche stehend, gut verschlossen und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt aufzubewahren, da Licht und Hitze langfristig die feinen Botanical-Aromen beeinträchtigen können. Einmal geöffnet, bleibt der Geschmack über Jahre stabil, solange die Flasche gut verschlossen bleibt.
Häufige Fragen (FAQ)
Was unterscheidet Gin von Genever?
Genever ist der historische Vorläufer des Gin aus den Niederlanden und wird auf Basis von Malzwein hergestellt, was ihm einen malzigeren, whiskyähnlichen Charakter verleiht. Gin hingegen basiert auf einem neutralen Alkohol und ist klarer im Geschmack.
Warum ist "London Dry" nicht an London gebunden?
"London Dry Gin" ist eine geschützte Herstellungsmethode, kein Herkunftsschutz – Gins mit dieser Bezeichnung dürfen weltweit produziert werden, solange sie die vorgeschriebene Destillationsmethode einhalten.
Muss Gin immer mit Tonic getrunken werden?
Nein. Viele hochwertige Gins lassen sich auch pur, on the rocks oder in klassischen Cocktails wie Martini oder Negroni genießen – besonders bei komplexen, botanical-reichen Sorten lohnt sich der pure Genuss.
Was bedeutet "Navy Strength"?
Navy Strength Gins haben einen Alkoholgehalt von mindestens 57 % vol – eine historische Überlieferung aus der britischen Marine, wo ein besonders starker Gin verwendet wurde.
Wie lange ist eine geöffnete Gin-Flasche haltbar?
Praktisch unbegrenzt, solange die Flasche gut verschlossen und vor Licht und Hitze geschützt gelagert wird. Der hohe Alkoholgehalt wirkt konservierend.
Fazit
Gin bietet dank seiner Vielfalt an Botanicals und Herstellungsstilen für praktisch jeden Geschmack die passende Sorte – ob klassisch-trocken, floral, fruchtig oder kräftig. Mit dem Wissen über die wichtigsten Ginsorten, Botanicals und die passende Tonic-Kombination steht deinem nächsten perfekten Gin Tonic nichts mehr im Weg. Taste dich Schritt für Schritt durch die verschiedenen Stile und finde heraus, welcher Gin am besten zu dir passt. Stöbere bei uns durch die Auswahl und entdecke deinen neuen Lieblingsgin – Prost und viel Freude beim Entdecken!
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