Boilerrum – eine Revolution oder ein Sturm im Rum-Glas?

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Boilerrum und das geklonte Schaf Dolly – ein zukunftsträchtige Symbiose oder eine Dystopie für Liebhaber hochwertiger Spirituosen? Bei der näheren Auseinandersetzung mit einem technologisch gereiften Rum, dessen Aromen die Qualität einer zehnjährigen Fasslagerung erreichen sollen, muss man sich diese Frage zwangsläufig stellen. Handelt es sich beim Boilerrum um einen geklonten Rum? Auf Basis von Fakten zum Boilerrum und dessen Geschmack muss am Ende dieses Beitrags doch jeder sein eigenes Fazit ziehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Boilerrum?

Boilerrum ist eine technologisch gealterte Spirituose, die auf Basis von Melasse des Zuckerrohrs hergestellt wird. Die Destillation aus 100% Zuckerrohrmelasse findet in Deutschland statt. Der Boilerrum wird 8fach destilliert. Die technologische Alterung soll einer zehnjährigen Fasslagerung entsprechen. Auf den Einsatz von künstlichen Zusatz- oder Aromastoffen sowie auf die Zugabe des Farbstoffes Zuckerkulör wird gänzlich verzichtet.

erste Flasche Boiler Rum

Wie wird Boilerrum destilliert?

Bei der Destillation werden verschiedene Bestandteile einer Flüssigkeit durch unterschiedliche Siedepunkte voneinander getrennt. Am Siedepunkt verdampft die Flüssigkeit zu einem Gas und dieser Dampf besteht zu einem hohen Anteil aus Ethanol. In der Destillationskolonne wird der Dampf (das Herz der Destillation) abgetrennt, abgekühlt und schließlich zum hochprozentigen Trinkalkohol verflüssigt. Dieser Vorgang wird beim Boilerrum 8fach wiederholt. Mit jedem Destillationsvorgang werden mehr ungewollte Beistoffe (z.B. Fuselöle) abgeschieden, so dass das Destillat mit jeder Wiederholung reiner wird. Allerdings verliert das endgültige Destillat mit jeder Wiederholung auch mehr Aromen des Ausgangsproduktes, so dass dieses mit Nase und Gaumen gar nicht mehr als Getreide-, Kartoffel- oder Zuckerrohrbrand identifiziert werden kann.

Was ist das Boiler-Verfahren?

Die Alterung des Zuckerrohrdestillates erfolgt durch das sogenannte „Boiler“-Verfahren. Was genau sich dahinter verbirgt, ist das Geschäftsgeheimnis des Herstellers. Die Idee für dieses Verfahren geht auf eine Projektarbeit am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zurück. Deniz Quick studiert dort Chemieingenieurwesen und hat die Idee mit Marcel Gassert weiterentwickelt. Hinter dem „Boiler“-Verfahren könnte natürlich ein Vorgang stecken, bei dem die Reifung durch hohen Druck beschleunigt wird. Deniz Quick sagt dazu lediglich:

„Man muss sich die einzelnen chemischen Vorgänge des Prozesses anschauen und sie verstehen. Wenn man die Prozesse verstanden hat, lässt sich jeder Prozess mit der Verfahrenstechnik optimieren.“

Quelle: Technologie statt Fasslagerung: Wenn Spirituosen schneller alt werden, in: Auf ein Glas, Interview mit Michael Stolzke vom 29.06.2018.

Ebenfalls unklar bleibt, ob die Herabsetzung des Destillates auf Trinkstärke nach oder vor dem „Boiler“-Verfahren erfolgt.

Entwurf Etikett

Welche Vorteile bietet das Boiler-Verfahren?

Der Reifeprozess wird bei der technologischen Alterung wesentlich schneller durchlaufen. Nach Darstellung des Herstellers kann man mit einem Faktor von 365 rechnen, so dass die sensorische Qualität einer einjährigen Lagerung bereits nach einem Tag erreicht ist.

Die wirtschaftlichen Vorteile des Verfahrens liegen auf der Hand, da bei der Herstellung sowohl Zeit als auch Lagerkapazitäten eingespart werden. Die Kosten der Fasslagerung übersteigen die reinen Herstellungskosten deutlich. Im großen Maßstab angewandt, kann das Boiler-Verfahren die Herstellung hochwertiger Spirituosen tatsächlich revolutionieren.

Wer steckt hinter dem Boilerrum?

Hersteller des Boilerrum ist die Nanotrade GmbH aus dem hessischen Mörlenbach. Die Kapitalgesellschaft mit einem Stammkapital von 25.000 Euro ist seit dem 18.08.2017 am Amtsgericht Darmstadt unter dem Kennzeichen HRB 96876 beim Handelsregister eingetragen.

Geschäftsführer sind Marcel Gassert und Deniz Quick. Marcel Gassert hat sich bereits zuvor mit dem Gear Gin aus dem Odenwald unter Kennern einen Namen gemacht. Deniz Quick hat im Sommer 2018 ein Bachelor-Studium des Chemieingenieurwesens am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) abgeschlossen. Dabei hat er sich das Wissen über die technologische Alterung von Spirituosen angeeignet und bis zur Produktreife verfeinert. Deniz Quick (rechts im Bild) ist zusammen mit Paul Lutz (links im Bild) Geschäftsführer der Behind Bars in Karlsruhe.

Deniz Quick und Paul Lutz

Als Barkeeper der Santo’s Cocktailbar in Karlsruhe hat Deniz Quick im Jahr 2016 beim Havana Club "Edicion de Talento" Wettbewerb in Nürnberg den dritten Platz belegt und im Jahr 2017 die „Amaro Montenegro Competition“ in Hamburg gewonnen.

Und der Geschmack des Boilerrums?

Der Hersteller verspricht einen unglaublich milden Rum, der an die Qualität einer 10 Jahre gereiften Spirituose heranreicht. Der Geschmack entsteht durch ein speziell integriertes Aromaverfahren. Dabei werden die Aromen von Hölzern des Hickory (Walnussgewächs), der Eiche, der Buche, der Zeder und von alten Sherry-Fässern in das Geschmacksbild des Rums integriert. Da der Rum nach der 8fachen Destillation vergleichsweise mild ist, kommen die Holzaromen besonders zur Geltung.

Ist der Boilerrum eine Revolution?

Das „Boiler“-Verfahren der Nanotrade GmbH ist nicht der erste Versuch, die Reifung von Spirituosen zu beschleunigen und zu optimieren. Dass die Alterung von Bränden auf Holzfässern einen positiven Einfluss auf das Destillat hat, wurde vor rund 300 Jahren auf den Schiffstransporten von der Karibik nach Europa durch Zufall entdeckt, da die Flüssigkeiten in Holzfässern transportiert wurden und nach der Überfahrt besser schmeckten als zuvor. Seitdem hat man über die Lagerung von Whisky, Rum, Cognac, usw. zwar viel Erfahrung gesammelt, die genauen chemischen Hintergründe sind aber immer noch nicht restlos entschlüsselt. Ähnlich verhielt es sich mit der Schafzucht, die zwar über die Jahrhunderte immer weiter perfektioniert wurde, aber doch im gewissen Maße immer auch eine Laune der Natur blieb. Bis Dolly als erstes geklontes Schaf am 5. Juli 1996 das Licht der Welt erblickte.

Boilerrum ist aber kein geklonter Rum und es ist auch nicht das erste Experiment seiner Art. In den USA wird mit Sauerstoff, Ultraschall und Überdruck an der Optimierung der Reifungsprozess von Spirituosen gearbeitet. Traditionalisten stehen den Versuchen skeptisch gegenüber. Ein besonders guter Whisky, ein besonders guter Rum, ein besonders guter Wein, zeichnet sich immer durch außergewöhnliche, besondere, einmalige Merkmale aus, welche letztlich eine Laune der Natur oder das Zusammentreffen günstiger Umstände sind. Wenn jeder Rum durch ein technologisches Verfahren soweit wie möglich optimiert wurde, was macht ihn dann noch besonders gut? Das Gute kann man nur definieren, wenn man das Schlechte kennt.

Unser Fazit

Ja, der Boilerrum ist eine Revolution. Der Vergleich mit dem Schaf Dolly hinkt zwar ein wenig, denn weder wird für die Herstellung des Rums in irgendeiner Form auf Gentechnik zurückgegriffen noch wurde Dolly 10 Jahre alt. Aber als Symbolik ist Bedeutung von Dolly für die Tierzucht mit dem Boilerrum für die Spirituosenindustrie durchaus gut gewählt. Wer gegenüber Gentechnik und technologisch gereiften Rum kritisch eingestellt ist, kann sich zumindest mit der Tatsache beruhigen, dass hinter den beiden Gründern und deren Erfindung kein kommerzieller Weltkonzern steht. Allerdings wurden heutige Multis wie Amazon, Google und Facebook praktisch auch aus dem Nichts aufgebaut. Nach unserer Überzeugung steckt hinter dem Boilerrum durchaus mehr als ein Sturm im Rum-Glas.

Mehr Informationen und Quellen:

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  • Interessant aber keine Revolutiom

    wird sich meiner Meinung nach nicht durchsetzen, klar der Rum bereichert den deutschen Markt und das ist auch eine gute Sache, aber ich bezweifel, dass die Leute auf die traditionelle Fassreifung verzichten wollen, aber das ist ja auch gar nicht das Ziel der jungs

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